
Die Sanierung der insolventen Privatbrauerei Eichbaum ist gescheitert. Das Mannheimer Unternehmen muss seinen Geschäftsbetrieb einstellen. Alle rund 240 Beschäftigten am Standort sollen kurzfristig betriebsbedingte Kündigungen erhalten. Die noch vorhandenen Aufträge will die Brauerei mit einem kleinen Abwicklungsteam bis Ende September 2026 abarbeiten.
Wie Eichbaum am Montag mitteilte, waren in den vergangenen Monaten verschiedene Sanierungs- und Fortführungslösungen geprüft worden. Keine davon habe sich als umsetzbar erwiesen. Eine Übertragung des Geschäftsbetriebs auf einen Investor sei unter den gegebenen wirtschaftlichen Bedingungen nicht mehr möglich. Der Gläubigerausschuss wurde bereits in der vergangenen Woche über die bevorstehende Betriebseinstellung informiert.
Der Brauerei fehlen nach eigenen Angaben die finanziellen Mittel, um den gesamten Betrieb aufrechtzuerhalten und zugleich die Verhandlungen über einen möglichen Verkauf fortzuführen. Dies wäre nur möglich, wenn die Insolvenzmasse und damit die Interessen der Gläubiger beeinträchtigt würden. Trotz verschiedener Restrukturierungsmaßnahmen arbeite Eichbaum weiterhin defizitär. Nach der aktuellen Liquiditätsplanung könnten weitere Massedarlehen nicht zurückgeführt werden.
„Wir haben in den vergangenen Monaten intensiv alle realistischen Optionen für eine Sanierung und den Erhalt der Privatbrauerei geprüft. Die Entscheidung zur Betriebseinstellung ist uns außerordentlich schwergefallen. Sie ist jedoch unausweichlich, weil eine weitere Fortführung die Ansprüche der Gläubiger gefährden würde und dies insolvenzrechtlich nicht zu verantworten ist“, erklärt Rechtsanwalt Dr. Christoph Glatt von der Kanzlei Schiebe und Collegen, der das Verfahren als Generalbevollmächtigter begleitet.
Transfergesellschaft kommt nicht zustande
Von der Betriebseinstellung sind auch die rund 30 Beschäftigten betroffen, die einem Wechsel in eine Transfergesellschaft bereits zugestimmt hatten. Die Gesellschaft wird nicht eingerichtet, da sie an den bis zuletzt angestrebten Erhalt des Unternehmens gekoppelt war. Der Betriebsrat wurde nach Angaben der Brauerei über die Situation informiert. Bei einer kurzfristig geplanten Belegschaftsversammlung sollen die Mitarbeiter persönlich über die Entscheidung und die weiteren Schritte unterrichtet werden.
Nun beginnt ein strukturierter Verwertungsprozess für sämtliche Vermögensgegenstände der Privatbrauerei. Dazu gehört ausdrücklich auch das Betriebsgrundstück an der Käfertaler Straße. Sachwalter Thomas Oberle unterstützt nach Angaben der Pressemitteilung das Vorgehen der Eigenverwaltung. Ziel sei eine geordnete Verwertung, um die Forderungen der Gläubiger bestmöglich zu befriedigen.
„Es schmerzt, dass wir diesen Schritt gehen müssen. Die Betriebseinstellung ist unter den gegebenen Rahmenbedingungen alternativlos. Unser aufrichtiger und persönlicher Dank gilt allen Beteiligten, vor allem unseren Mitarbeitenden, für ihren außergewöhnlichen Einsatz, ihre große Loyalität und ihre langjährige Verbundenheit mit der Privatbrauerei Eichbaum“, so die Geschäftsführer Uwe Aichele und Frank Reifel.
Rettungsplan hielt nur wenige Monate
Noch Ende März hatte sich eine Fortführung der Brauerei abgezeichnet. Eine Gläubigerversammlung hatte damals den Weg für ein Sanierungskonzept freigemacht. Vorgesehen war eine Aufteilung des Geschäfts zwischen einem Finanzinvestor und der Park & Bellheimer AG.
Nach damaliger Recherche von Getränke News sollte der Finanzinvestor den Mannheimer Standort und das Auslandsgeschäft übernehmen. Park & Bellheimer war für das inländische Markengeschäft und den Vertrieb vorgesehen. Unter dem Dach des Unternehmens sollte eine eigene Vertriebsgesellschaft gegründet werden. Die Eichbaum-Biere sollten weiterhin in Mannheim gebraut, künftig aber in Bellheim abgefüllt werden. Bereits dieses Konzept war mit einem erheblichen Stellenabbau verbunden. Von damals rund 290 Beschäftigten sollten weniger als 100 im Unternehmen verbleiben. Später wurde über veränderte Fortführungsmodelle verhandelt. Eine tragfähige Investorenlösung kam jedoch nicht zustande.
Insolvenz nach Verkauf von Karamalz
Eichbaum hatte Ende Oktober 2025 ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beantragt. Das Amtsgericht Mannheim ordnete am 29. Oktober die vorläufige Eigenverwaltung an und bestellte Thomas Oberle zum vorläufigen Sachwalter. Ziel war zunächst die Sanierung des Unternehmens im Rahmen eines Insolvenzplans. Nur wenige Tage zuvor hatte Eichbaum die Markenrechte an Karamalz an die Brauerei Veltins verkauft. Marketing, Vertrieb und Produktion der Malztrunkmarke gingen damit vollständig auf Veltins über. Über den Kaufpreis vereinbarten beide Seiten Stillschweigen.
Karamalz kam seinerzeit auf ein Absatzvolumen von mehr als 150.000 Hektolitern und gehörte zu den größten Marken im Malztrunksegment. Für Eichbaum war der Verkauf besonders schwerwiegend, weil die Mannheimer damit ihre umsatzstärkste Marke verloren. Der Schritt konnte die wirtschaftliche Schieflage nicht mehr aufhalten. Wenige Tage später folgte der Insolvenzantrag.
Vom Markenbrauer zum Lohnbrauer
Die Ursachen der Krise reichen weit zurück (wir berichteten). Seit 1970 gehörte das Mannheimer Unternehmen zum Henninger-Verbund und damit zur von Reemtsma aufgebauten Deutschen Brau. Später folgten die März-Gruppe und nach deren Insolvenz die von SAP-Mitgründer Dietmar Hopp kontrollierte Actris AG.

Unter den wechselnden Eigentümern gelang es der Marke Eichbaum nicht, über den Südwesten hinaus dauerhaft an Bedeutung zu gewinnen. Während Brauereien wie Krombacher, Bitburger, Warsteiner und Veltins national profilierte Marken und Vertriebsstrukturen aufbauten, wurde Eichbaum zunehmend auf seinen kurpfälzischen Heimatmarkt zurückgedrängt.
Das weitere Wachstum des Mannheimer Standorts beruhte vor allem auf Lohnbrauaufträgen, Handelsmarken und einem ausgeweiteten Exportgeschäft. Unter Actris wurde die Brauerei modernisiert und ihre Kapazität erheblich ausgebaut. Eichbaum entwickelte sich zu einem der größten Braustandorte Baden-Württembergs. Das Lohnbrauen wurde jedoch immer stärker zum geschäftlichen Schwerpunkt.
Damit wuchs die Abhängigkeit von großen Produktionsmengen bei vergleichsweise niedrigen Margen. Das eigene, renditestärkere Markengeschäft blieb zu klein, um die vorhandenen Kapazitäten wirtschaftlich ausreichend abzusichern.
Neustart unter Jochen Keilbach
Ende 2009 wurde Eichbaum im Rahmen eines Management-Buy-outs aus der Actris AG herausgelöst. Treibende Kraft war der langjährige Technikvorstand Jochen Keilbach. Ab 2010 trat das Unternehmen wieder als unabhängige Privatbrauerei auf.
Keilbach galt als Retter der Mannheimer Braustätte. Unter seiner Führung baute Eichbaum ein modernisiertes und klar in der Kurpfalz verankertes Markenportfolio auf. Der regionale Auftritt wurde erneuert, die Abhängigkeit vom Lohnbrauen konnte jedoch nicht entscheidend verringert werden. Nach Keilbachs Tod führte zunächst sein Sohn Thomas die Brauerei gemeinsam mit Andreas Hiby-Durst weiter. Thomas Keilbach schied 2024 aus dem Unternehmen aus.

Parallel investierte Eichbaum weiter in den Standort. 2016 nahm die Brauerei ein 27 Meter hohes, weitgehend automatisiertes Hochregallager in Betrieb. Auch Teile der Abfüllung wurden erneuert. Im selben Jahr meldete Eichbaum einen Jahresausstoß von zwei Millionen Hektolitern. Kein anderer Braustandort in Baden-Württemberg hatte bis dahin eine vergleichbare Größenordnung erreicht.
Die hohe Kapazität wurde später jedoch zunehmend zum Problem. In einem schrumpfenden Biermarkt trafen steigende Energie-, Rohstoff- und Produktionskosten auf einen starken Preisdruck im Lohnbrau-, Handelsmarken- und Exportgeschäft.

Exportmengen brechen weg
Zusätzlich verlor Eichbaum wichtige Exportvolumina. Die Brauerei belieferte den russischen Markt auch nach Beginn des russischen Angriffskriegs weiter. Neue Einfuhrbeschränkungen brachten das Geschäft später weitgehend zum Erliegen. Damit brach ein zuvor bedeutendes Ausstoßsegment weg.
Es entstand offenbar eine wirtschaftlich problematische Kombination aus hohen Produktionskapazitäten, niedrigen Margen, steigenden Kosten und einem zu kleinen eigenen Markengeschäft. Rückläufige Exportumsätze und eine sinkende Nachfrage im Inland führten schließlich zu dem Liquiditätsengpass, der im Oktober 2025 in das Eigenverwaltungsverfahren mündete.
Die 1679 gegründete Eichbaum-Brauerei gilt als ältestes Unternehmen Mannheims. Nachdem der Standort 2010 noch vor einer Schließung bewahrt werden konnte, werden die letzten vorhandenen Aufträge nun bis Ende September abgewickelt. Danach soll der Betrieb geordnet auslaufen.
Der Beitrag Eichbaum stellt Betrieb ein erschien zuerst auf Aktuelle Nachrichten aus der Getränkeindustrie.
Quelle: https://getraenke-news.de/eichbaum-stellt-betrieb-ein/