
Während die Beschäftigten der zum Verkauf stehenden Paderborner Brauerei um ihre berufliche Zukunft bangen, macht sich in der Nachbarschaft ein potenzieller neuer Arbeitgeber bemerkbar. Über die Berichterstattung in der „Neuen Westfälischen“ (NW) inszeniert die Krombacher Brauerei ihre Tochtergesellschaft Mineralquellen Germete im 40 Kilometer von Paderborn entfernten Warburg als attraktiven Arbeitgeber.
Dort, wo Bernhard Schadebergs Brauerei am ostwestfälischen Quellort die A-Marke Germete sowie die B-Marke Waldquell, aber auch die AfG-Palette von Schweppes, Orangina und Dr. Pepper abfüllt, positioniert sich Krombacher als potenzieller Arbeitgeber für die verunsicherten Brauer und Anlagentechniker der Paderborner Brauerei. Die Schlüsselfrage lautet: Warstein oder Warburg? Der Bistumsstandort droht schneller Fachkräfte zu verlieren, als es Warsteiner-Inhaberin Catharina Cramer und ihrem neuen CEO und Restrukturierer Bodo-Joachim Wendenburg lieb sein dürfte.
Schwebezustand mit Ungewissheit
Es ist ein Schwebezustand, der für Arbeitnehmer kaum zehrender sein könnte: Die Warsteiner-Gruppe sucht fieberhaft nach einem Käufer für die Traditionsbraustätte in Paderborn. Ob der Standort zum Jahreswechsel übernommen oder endgültig geschlossen wird, ist für die Beschäftigten derzeit völlig ungewiss. Im Fall der Brauereischließung hat die Warsteiner Brauerei zwar Übernahmeangebote für eine überschaubare Anzahl der Paderborner Beschäftigten ausgesprochen, doch die Unsicherheit angesichts eines weiterhin wirtschaftlich angeschlagenen Arbeitgebers bleibt.
Genau in diese Lücke stößt nun die „Personaloffensive“ der Krombacher Brauerei. Mit der treffenden Headline „Chance auf neuen Job mit Limo statt Bier“ wird in der Berichterstattung das Bild eines zukunftssicheren, expandierenden Erfrischungsgetränke-Herstellers gezeichnet, der händeringend nach Fachpersonal sucht. Und tatsächlich ist Warburg näher als Warstein.
Siegerländer Charming-Offensive
Es ist kein Wunder, dass Germete-Geschäftsführer Benedikt Gadzinski die erfahrenen Brauer und Mälzer lobt und sie gegenüber der NW als „echten Glückstreffer“ bezeichnet. Es dürfte eine Charming-Offensive mit System sein, die zweifellos geeignet ist, in schwieriger Zeit die Warsteiner Brauerei weiter zu schwächen. Statt Stellenanzeigen setzt man auf emotionale Erfolgsgeschichten in der Heimatzeitung, um qualifiziertes Personal gezielt in der Phase anzusprechen, wenn die Bindung zum bisherigen Arbeitgeber bröckelt.
Erfahrung mit alkoholfreien Getränken
Dass Krombacher und Germete so unverblümt um die Fachkräfte des Mitbewerbers werben, hat handfeste wirtschaftliche Gründe. Der Markt für ausgebildete Brauer, Mälzer, Anlagentechniker und Elektroniker ist in der Region extrem dünn besiedelt. Bei der Schließung der Herforder Brauerei freigesetztes Personal ist zu weit weg und wenig wechselwillig. Die Einarbeitung branchenfremder Mitarbeiter kostet hingegen Zeit und Geld. Das Know-how der Paderborner Mannschaft, die seit Jahren hochkomplexe Abfüll- und Brauanlagen bedient, ist in der Region begehrt, zumal die Braustätte auch alkoholfreie Getränke abfüllt. Seit 2024 läuft dort der Paderborner Limo Cola-Orange-Mix vom Band.
Während Warsteiner aufgrund sinkender Absatzzahlen dramatischen Konsolidierungsdruck verspürt, investiert Krombacher zweistellige Millionenbeträge in Germete und baute Dutzende neue Stellen aus – von der 185-köpfigen Belegschaft seien 40 Fachkräfte in den letzten Jahren hinzugekommen. Die Krombacher Brauerei hatte den Mineralbrunnen erst im Sommer 2022 zur Ergänzung ihrer Gruppenaktivitäten übernommen. Seit 2024 wurden in Germete nach Krombacher-Aussagen mehr als 17 Mio. Euro in die Modernisierung und Erweiterung des Standorts investiert. Für 2026 sei ein weiterer signifikanter Millionenbetrag zur Modernisierung vorgesehen, heißt es (wir berichteten). Nun fehlt es also nur noch an Fachpersonal.
Kampf um Warsteiner-Mitarbeiter
Für die Betroffenen der Paderborner Brauerei entsteht dadurch ein moralisches und existenzielles Dilemma. Einerseits bietet der Wechsel zu Germete/Krombacher eine reale Perspektive und womöglich Schutz vor drohender Arbeitslosigkeit, sollte die Paderborner Braustätte tatsächlich zum Jahresende geschlossen werden. Andererseits schwächt jeder Abgang von Schlüsselkräften die Warsteiner-Verhandlungsposition und Zukunftschance des Paderborner Standorts auch für den potenziellen Käufer.
Sollte ein potenzieller Investor Interesse an einer Übernahme signalisieren, könnte der vorausgegangene Verlust von Fachpersonal schlimmstenfalls das finale Aus bedeuten. Fest steht jedoch: Der Konkurrenzkampf in der heimischen Getränkeindustrie wird längst nicht mehr nur über Marktanteile im Getränkemarkt, sondern mit harten Bandagen um die Köpfe an den Sudkesseln und Abfüllanlagen ausgetragen.
Der Beitrag Krombacher wirbt um Paderborner Fachkräfte erschien zuerst auf Aktuelle Nachrichten aus der Getränkeindustrie.
Quelle: https://getraenke-news.de/krombacher-wirbt-um-paderborner-fachkraefte/