
Die Haus Cramer Gruppe (ehemals Warsteiner Gruppe) zieht Konsequenzen aus der anhaltenden Krise des deutschen Biermarktes und bündelt ihre NRW-Standorte künftig in Warstein. Wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte, soll der Betrieb der Herforder Brauerei im zweiten Halbjahr 2026 eingestellt werden. Für den Standort Paderborn sucht die Gruppe einen Käufer. Sollte eine Veräußerung scheitern, soll auch dort die Produktion Ende 2026 beendet werden.
Die Haus Cramer Gruppe verliert auch ihren Technik-Geschäftsführer Jens Hoffmann. Er wechselt zur Bitburger Braugruppe und übernimmt dort die Verantwortung für den Technikbereich. Hoffmann folgt auf Jan Niewodniczanski, der die Geschäftsführung des Familienunternehmens zum 30. September 2025 verlassen hatte.
Mit der strategischen Konsolidierung reagiert die Getränkegruppe nach eigenen Angaben auf den drastischen Rückgang des Bierkonsums in Deutschland. Die Haus Cramer Gruppe passe ihre Produktionskapazitäten nun proportional an diese Entwicklung an. Künftig soll der Stammsitz Warstein zum zentralen Produktions- und Logistikzentrum der Gruppe in Nordrhein-Westfalen ausgebaut werden. Geplant seien Investitionen in Produktionstechnologie sowie nachhaltigere Prozesse. Zudem soll der Bahnanschluss der Brauerei stärker genutzt werden. Noch in diesem Jahr will das Unternehmen außerdem mit dem Bau einer eigenen Windenergieanlage beginnen.
Von den Maßnahmen betroffen sind insgesamt 211 Mitarbeitende an den Standorten Herford und Paderborn. Ein Teil der Beschäftigten soll nach Warstein wechseln können. Gemeinsam mit den Arbeitnehmervertretern wolle man sozialverträgliche Lösungen erarbeiten. Die süddeutschen Standorte der Gruppe bleiben von den Maßnahmen unberührt.
Die Entscheidung markiert eine deutliche Kehrtwende gegenüber den Investitionsankündigungen der vergangenen Jahre. Erst Anfang 2025 hatte die Herforder Brauerei nach rund drei Jahren Planung und einem Jahr Bauzeit eine neue Abfüllanlage in Betrieb genommen. Rund 20 Millionen Euro investierte die Haus Cramer Gruppe nach eigenen Angaben in das Projekt – die größte Einzelinvestition am Standort seit 25 Jahren. Die neue Anlage ersetzte eine mehr als 30 Jahre alte Abfülllinie und sollte unter anderem mehr Flexibilität bei unterschiedlichen Gebinden sowie die Produktion von Biermischgetränken und Fillern ermöglichen.
Damals hatte Technik-Geschäftsführer Jens Hoffmann erklärt: „Das ist ein historischer Tag für die Herforder Brauerei“. Die Investition markiere „einen bedeutenden Schritt in eine nachhaltige und wettbewerbsfähige Zukunft des Standorts Herford.“ Auch Inhaberin Catharina Cramer sprach von einer „nachhaltig und zukunftsorientiert“ aufgestellten Brauerei.
Bereits 2023 hatte das Unternehmen umfangreiche Investitionen in Paderborn angekündigt. Insgesamt flossen dort rund 11 Millionen Euro in den Ausbau der Produktionskapazitäten und ein neues Verpackungszentrum. Ziel war es, die Produktionsmenge am Standort um rund 25 Prozent auf 1,25 Millionen Hektoliter zu steigern.
Die Haus Cramer Gruppe hatte sich in den vergangenen Jahren umfassend neu aufgestellt. Seit 2023 firmiert das Unternehmen offiziell unter dem neuen Namen und verfolgt den Umbau vom klassischen Brauereibetrieb hin zu einem diversifizierten Getränkehersteller. Parallel dazu forcierte die Gruppe den Einstieg in das Lohnbrau- und Abfüllgeschäft sowie verschiedene Vertriebs- und Beteiligungskooperationen.
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Quelle: https://getraenke-news.de/warsteiner-schliesst-herforder-brauerei/