
Die Privatbrauerei Bolten in Korschenbroich sucht einen strategischen Partner. Die Eigentümer Michael Hollmann und Paul Bösken-Diebels haben dafür einen M&A-Prozess gestartet. Die Brauerei lässt offen, ob ein Investor einsteigen, größere Anteile übernehmen oder die gesamte Brauerei erwerben soll.
Bolten befindet sich in einer angespannten wirtschaftlichen Lage. Laut Daten von North Data schrieb die Brauerei 2024 einen Jahresfehlbetrag von rund 900.000 Euro. Die Eigenkapitalquote lag zum Jahresende bei etwa fünf Prozent. Bolten hat Verbindlichkeiten von 11,2 Millionen Euro gegenüber Kreditinstituten und weitere 6,9 Millionen Euro gegenüber den Gesellschaftern.
In einer Mitteilung vom 14. August erklärten die Eigentümer, sie wollten das Unternehmen bei „stabiler Entwicklung der Marke Bolten“ gemeinsam mit einem strategischen Partner weiterentwickeln. Sie reagieren damit auf ein schwieriges Marktumfeld, das die Braubranche seit Jahren vor erhebliche Herausforderungen stellt.
„Unsere Marke steht heute im Markt gut da. Gerade deshalb ist jetzt der richtige Zeitpunkt, um die Weichen für die Zukunft zu stellen“, sagte Geschäftsführer Michael Hollmann. Er betonte, dass mittelständische Brauereien zunehmend wirtschaftliche Stärke benötigen, um weiter investieren und Synergien nutzen zu können. „Mit einem Partner an unserer Seite wollen wir Bolten genau diese Kraft für die Zukunft geben.“
Bolten hat M&A-Berater beauftragt, den Auswahlprozess zu strukturieren und zu begleiten. Diese Berater unterstützen unter anderem den Einstieg von Investoren, den Verkauf von Unternehmensanteilen oder die vollständige Veräußerung eines Unternehmens. Die Einschaltung der Berater deutet darauf hin, dass es bei der „strategischen Partnerschaft“ um eine Beteiligungs- oder Eigentümerlösung geht. Bolten teilt jedoch nicht mit, welchen Anteil ein möglicher Investor übernehmen soll, ob die bisherigen Gesellschafter beteiligt bleiben wollen und wann der Prozess abgeschlossen wird.
Die Investorensuche erfolgt in einer schwierigen Phase des deutschen Biermarktes. 2025 sank der Bierabsatz um 6,0 Prozent auf rund 78 Millionen Hektoliter, der stärkste Rückgang seit Beginn der Zeitreihe 1993. Erstmals fiel die Menge unter 80 Millionen Hektoliter. Auch 2026 setzte sich der Rückgang fort. Im ersten Halbjahr wurden in Deutschland 38,45 Millionen Hektoliter Bier abgesetzt, 2,2 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Der steuerpflichtige Inlandsabsatz sank um 3,1 Prozent auf 31,22 Millionen Hektoliter.
Michael Hollmann übernahm die Privatbrauerei Bolten 2005. Ende 2006 stieg Paul Bösken-Diebels als Mitinhaber ein. Die Brauerei führt ihre Geschichte auf das Jahr 1266 zurück und bezeichnet sich als älteste Altbierbrauerei der Welt.
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